Zum Erhalt der werten Muttersprache ;)

Ideenaustausch zum Thema Leben in Finnland.
verenan
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Zum Erhalt der werten Muttersprache ;)

Beitragvon verenan » Do Apr 09, 2015 4:54 pm

Moi!

Nun hatte ich (30) wieder mal eine Weile keine Zeit gehabt mit meinen Lieben in Deutschland zu skypen, und siehe da: Als ich endlich meine Mutter vor den Computer bekam, fiel mir einmal mehr auf, dass mir heutzutage englische Wörter eher in den Sinn kommen als deutsche. Und so habe ich zum Entsetzen meiner Mutter eine Stunde lang nur so vor mich hin gestammelt, immer wieder nach Wörtern suchend.

Da das schon etwas bedenklich ist, habe ich entschlossen, dass damit Schluss sein muss. Statt nur Englisch und vor allem Finnisch zu büffeln, werde ich nun auch um den Erhalt meiner Muttersprache kämpfen müssen. So ist das wohl als Auswanderer. Am Ende hat man gar keine starke Sprache mehr!! Daher bin ich heute diesem Forum beigetreten. :)

Hier nun meine Idee: Hätte jemand hin und wieder Lust und Zeit auf einen kleinen Plausch in einer netten Bar / einem Cafe in Helsinki? Oder einfach auf einen gemütlichen Spaziergang? Ich studiere gerade und bin zeitlich recht flexible. Und würde mich generell sehr über nette, neue Bekanntschaften freuen. :)

Bin schon gespannt auf eure Antworten!

Liebe Grüße,

Verena

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Georg
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Re: Zum Erhalt der werten Muttersprache ;)

Beitragvon Georg » Do Apr 09, 2015 11:06 pm

Das Phänomen ist mir sehr bekannt. Die Muttersprache lässt in manchen Details nach, und vor allem (nach über 15 Jahren hier) fehlt komplett der neue Wortschatz. Mir helfen mein Nachwuchs, mit denen ich deutsch rede. Schwer macht's, dass ich bei der Arbeit quasi täglich 3 Fremdsprachen verwenden muss. Viel lesen hilft, reden natürlich auch.
Und falls Du im Fratzenbuch bist: dort gibt es mehrere Gruppen für Deutsche in Finnland, da ist mehr los als hier. Leider.

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fax
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Re: Zum Erhalt der werten Muttersprache ;)

Beitragvon fax » Fr Apr 10, 2015 4:22 pm

Ging mir früher auch so, als ich niemand zu Hause hatte, mit dem ich regelmäßig deutsch gesprochen habe. Verglichen mit Jil Sander sind wir aber sicher alle noch harmlos. ;)

Ich habe bei der Gelegenheit gerade eine Liste mit den mir bekannten deutschsprachigen Stammtischen, etc., in Helsinki verfasst: viewtopic.php?f=13&t=5815

verenan
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Re: Zum Erhalt der werten Muttersprache ;)

Beitragvon verenan » Sa Apr 11, 2015 10:54 pm

Wunderbar, danke euch beiden für die tolle Tipps, werde mich dort mal umschauen / umhören. Super! :D

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Micha
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Re: Zum Erhalt der werten Muttersprache ;)

Beitragvon Micha » Di Apr 14, 2015 6:07 pm

Die Forum-Treffen sind ja genau hierfür da: um sich mit Gleichgesinnten in vertrauter Sprache auszutauschen und jeder weiss genau, was man meint.
Die Treffen werden angekündigt hier auf saksalaiset.fi, aber für die Registrierten gibt es den e-mail-Service: ich setze Dich gleich mal mit auf die e-mail-Liste..
WEITERSAGEN!
- jetzt auch auf Twitter: @saksalaiset

Vox borealis
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Re: Zum Erhalt der werten Muttersprache ;)

Beitragvon Vox borealis » Fr Mai 01, 2015 9:58 am

Bin bald 40 Jahre in Finnland und benutze zuhause und im Job fast nur Finnisch, halte aber engen Kontakt zur Muttersprache u.a. mit täglichem Durchblättern von Online-Medien (Tageszeitungen, Nachrichtenmagazine usw.), Digitalradiohören und Postcasts von SRF, ZDF und ARD (gerade empfehlenswert so lange noch abrufbar: Menschen bei Maischberger mit ex-Kanzler Helmut Schmidt).

Das Englische setzt der deutschen Sprache stark zu, und zwar nicht nur durch Begriffe, die leicht eindeutschbar wären, sondern auch in der Übernahme von Wendungen, die nach deutscher Rechtschreibung schlicht falsch sind. Ein Beispiel:

Kürzlicher Artikel in der Basler Zeitung (CH, nicht mehr verlinkbar): "Der Mensch wird zum Mars fliegen – ganz klar"
Der designierte Chef der europäischen Raumfahrtorganisation ESA, Jan Wörner, über Reisen zum Mars.

Konnte es mir nicht verkneifen, einen (gewiss etwas besserwisserischen :( und vom Thema abweichenden) Kommentar abzuschicken, den ich hier wiederhole:
"In der Schule lernten wir, dass ein Flugzeug dank seinen Flügeln und dem aerodynamischen Auftrieb fliegt, ein Ballon aber fährt. Ergo kann man auch nicht zum Mars oder zur ISS fliegen, auch wenn "fahren" etwas schräg daher kommt. Aber immerhin spricht man von der Raumfahrt und nicht von Raumfliegerei. Das nur nebenbei :)"

Erwartungsgemäss holte ich mir mit dieser "Berichtigung" gleich einen 'Daumen-unten'. Aber nun doch meine Frage in eure Runde:
Fliegt man zur Raumstation wie im Englischen ("Fly me to the moon") oder fährt, reist, geht ... Oder sollte man im Deutschen vielleicht dazu übergehen neue Begriffe zu kreieren wie das z.B. im Finnischen vorgemacht wird um nicht eines Tages völlig vor dem Englischen kapitulieren zu müssen?

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fax
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Re: Zum Erhalt der werten Muttersprache ;)

Beitragvon fax » Sa Mai 02, 2015 12:26 am

Ein Ballon ist kein Flugkörper. Mit letzterem würde man zum Mars fliegen. Eine Schweizer Zeitung eignet sich m.E. ohnehin nicht als Referenz, weil der Sprachgebrauch teilweise vom deutschen Hochdeutsch abweicht.

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Re: Zum Erhalt der werten Muttersprache ;)

Beitragvon Vox borealis » Sa Mai 02, 2015 8:12 am

fax hat geschrieben:Ein Ballon ist kein Flugkörper. Mit letzterem würde man zum Mars fliegen. Eine Schweizer Zeitung eignet sich m.E. ohnehin nicht als Referenz, weil der Sprachgebrauch teilweise vom deutschen Hochdeutsch abweicht.


Na, dann hier halt das Ganze nochmal auf Hochdeutsch:
http://www.welt.de/wissenschaft/weltrau ... iegen.html

Im übrigen waren auf der Wiener Konferenz zur Neuen deutschen Rechtschreibung alle Staaten vertreten, in denen die deutsche Sprache eine massgebliche Stellung hält, auch die Schweiz. Zitat aus dem nachfolgenden Link: "In der Schweiz gilt offiziell die reformierte Rechtschreibung gemäß der Version der 23. Duden-Auflage von Oktober 2004."
http://de.wikipedia.org/wiki/Rat_f%C3%B ... schreibung

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fax
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Re: Zum Erhalt der werten Muttersprache ;)

Beitragvon fax » Sa Mai 02, 2015 8:18 pm

Vox borealis hat geschrieben:
fax hat geschrieben:Ein Ballon ist kein Flugkörper. Mit letzterem würde man zum Mars fliegen. Eine Schweizer Zeitung eignet sich m.E. ohnehin nicht als Referenz, weil der Sprachgebrauch teilweise vom deutschen Hochdeutsch abweicht.


Na, dann hier halt das Ganze nochmal auf Hochdeutsch:
http://www.welt.de/wissenschaft/weltrau ... iegen.html

Ja, sach ich doch, Flugkörper.

Vox borealis hat geschrieben:Im übrigen waren auf der Wiener Konferenz zur Neuen deutschen Rechtschreibung alle Staaten vertreten, in denen die deutsche Sprache eine massgebliche Stellung hält, auch die Schweiz. Zitat aus dem nachfolgenden Link: "In der Schweiz gilt offiziell die reformierte Rechtschreibung gemäß der Version der 23. Duden-Auflage von Oktober 2004."
http://de.wikipedia.org/wiki/Rat_f%C3%B ... schreibung

Dir ging's aber nicht um Orthographie sondern um die richtige Wortwahl, und die unterscheidet sich in der Schweiz und Österreich in einigen Fällen dann doch ganz erheblich.

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Re: Zum Erhalt der werten Muttersprache ;)

Beitragvon Mela » So Mai 03, 2015 11:58 am

(Die Orthographie unterscheidet sich zumindest in Sachen "ß". Das gibt es meines Wissens nach nicht in der Schweiz, aber das nur am Rande.)

Überraschend ist wirklich, wie wenig Fehler in Wortwahl und Grammatik mittlerweile auch einem selbst auffallen. Kleiner Test, wer findet den Fehler in diesem Satz: "Das Mädchen suchte ihre Puppe."
Und ja, da ist ein Fehler drin!

Bekannt ist sicher das Buch "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Ein Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache" (ISBN 3-462-03448-0)
Nett ist auch diese Sammlung http://www.atlas-alltagssprache.de/
Kniffligere Rätsel hat auch ab und an das ZEIT Magazin in der Kolumne "Fehlerlesen".

Vox borealis
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Re: Zum Erhalt der werten Muttersprache ;)

Beitragvon Vox borealis » So Mai 03, 2015 7:08 pm

Mela hat geschrieben:Kleiner Test, wer findet den Fehler in diesem Satz: "Das Mädchen suchte ihre Puppe."

Darf ich raten? Das Mädchen suchte seine Puppe. In dieselbe Kategorie gehört ein unlängst zitiertes Beispiel aus einem Anschreiben eines Vereins: Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder :D

Mela hat geschrieben:(Die Orthographie unterscheidet sich zumindest in Sachen "ß". Das gibt es meines Wissens nach nicht in der Schweiz, aber das nur am Rande.)

Stimmt. Haben wir abgeschafft. Unseren lateinischsprachigen Mitbürgern zuliebe, die auf ihren damaligen Schreibmaschinen dieses Zeichen nicht hatten. Bekommt man auf einer Suomi-Sami-Tastatur mit einer Tastenkombination irgendwie hin, aber dann tut nach einer bösen Fingerverrenkung die Hand weh.

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fax
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Re: Zum Erhalt der werten Muttersprache ;)

Beitragvon fax » Mo Mai 04, 2015 12:58 am

Mela hat geschrieben:Überraschend ist wirklich, wie wenig Fehler in Wortwahl und Grammatik mittlerweile auch einem selbst auffallen. Kleiner Test, wer findet den Fehler in diesem Satz: "Das Mädchen suchte ihre Puppe."

Genau das fiel mir vor wenigen Jahren auch massiv auf, als ich anfing, Dornröschen und Rotkäppchen vorzulesen. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, das in Deutschland auch schon falsch gemacht zu haben. In einem Gespräch wäre mir der Unterschied ohnehin nicht aufgefallen - das muss man schon geschrieben vor sich sehen.

silversurfer

Re: Zum Erhalt der werten Muttersprache ;)

Beitragvon silversurfer » Mo Mai 04, 2015 11:19 am

Früher, in meinen ersten Jahren im Umgang mit Ausländern war ich sehr irritiert über den Wunsch "Nimm ein Bild von mir".
Erst musste ich lernen, dass es im Englischen "take a picture" heisst, wogegen wir "mach ein Bild" sagen.
Es gibt in jeder Sprache Redewendungen und Ausdrücke, die wortwörtlich übersetzt ungewohnt bis komisch klingen.

Aber das ist auch in Deutschland so.
Hier nenne ich nur das berühmte Beispiel "der Butter" oder "die Butter". Was ist richtig?
Es gibt ferner unzählige Beispiele von Unterschieden zwischen deutschem Deutsch und schweizerischem Deutsch (Führerschein / Fahrausweis usw.).

Und dann ist ja auch ein Unterschied zwischen gesprochener und geschriebener Sprache.
Angeblich sprach Goethe in einem sehr ausgeprägten hessischen Dialekt.

Swabian
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Re: Zum Erhalt der werten Muttersprache ;)

Beitragvon Swabian » Mo Mai 04, 2015 7:43 pm

silversurfer hat geschrieben:.
Angeblich sprach Goethe in einem sehr ausgeprägten hessischen Dialekt.


Kaa Wunner, war ja aach a echt Frankforder Werschtsche . :wink:


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